Knochenbrüche

Definition
Ein Knochenbruch (Fraktur) ist die Unterbrechung der Kontinuität des Knochens. Dabei entstehen mindestens zwei Bruchstücke (Fragmente). Diese können gegeneinander mehr oder weniger verschoben (disloziert) sein.
Einteilung der Knochenbrüche:
Anzahl Fragmente:      Zwei-, Drei-, Vier-Fragmentfraktur, Mehrfragmentfraktur, Trümmerfraktur
Form:                        Querfraktur, Schrägfraktur, Spiralfraktur
Lokalisation:               Schaftfraktur, gelenksnahe Fraktur, Gelenksfraktur
Dislokation:                undisloziert, disloziert (Achsabweichung und Versatz der Fragmente)Weichteilschaden:       geschlossen, offen

Ursachen
Ein Knochen bricht, wenn die Krafteinwirkung grösser ist als die Belastbarkeit des Knochens.

Häufigste Ursachen sind Stürze oder Schläge. Möglich sind aber auch Ermüdungsbrüche durch langeinwirkende Überlastung oder krankheitsbedingte (pathologische) Brüche bei Schwächung der Knochenstruktur durch z.B. Knochenschwund (Osteoporose) oder Tumoren.
Zu beachten ist auch, dass mit zunehmendem Alter der Knochen an Elastizität verliert und deshalb brüchiger wird.

Behandlung
Die Behandlung eines Knochenbruches ist abhängig von der Form, der Dislokation und der Lokalisation sowie allfälliger Begleitverletzungen (Gefässe, Nerven, Weichteilschaden).

Konservative Behandlung

  • Ruhigstellung mit Verband, Schienen, Gips, Entlastung
  • Eventuell geschlossene Reposition (Wiederherstellen der ursprünglichen Achsenverhältnisse)
  • Möglich bei gering dislozierten und „stabilen“ Knochenbrüchen z.B. handgelenksnaher Speichenbruch mit Abkippung < 20°

Operative Behandlung

  • Innere Stabilisierung des Bruches mit Drähten, Schrauben, Platten, Marknägel, eventuell sogar Versorgung mit Gelenksprothese notwendig
  • Äussere Schienung (Fixateur externe), z.B. bei ausgedehnter Weichteilschädigung, Primärversorgung bei bedrohlich Mehrfachverletzten

Notfälle

  • Notfallmässige Behandlung notwendig bei Ausrenkungsbrüchen (Luxationsfrakturen): rasche Reposition und Fixation, um Schädigungen von Nerven und Gefässen zu verhindern
  • Offene Knochenbrüche (Infektionsgefahr)
  • Grosse Röhrenknochen, instabile Beckenbrüche (Blutung, Fettembolie)
  • Instabile Wirbelbrüche (Lähmung durch Rückenmarkverletzung)
  • Schädelbruch (Hirnblutung)

Knochenheilung
Zwischen den Fragmenten bildet sich neues Knochengewebe (Kallus), welches sich nach zwei Wochen zunehmend verfestigt (deshalb müssen Stellungskorrekturen innerhalb der ersten 14 Tage erfolgen). Im Normalfall heilt ein Knochenbruch innerhalb von 6 – 12 Wochen. Eine verzögerte Heilung ist bis 6 Monate nach Unfall möglich. Danach findet keine Knochenheilung mehr statt. Der Kallus bleibt elastisch, und  es kommt zu einer sog. Falschgelenkbildung (Pseudoarthrose). Mögliche Ursachen dafür sind: Durchblutungsstörung, Stoffwechselstörungen, Infekt, Instabilität).

Beispiel "Schenkelhalsfraktur"

1. Subkapitale Schenkelhalsfraktur 
  Bei diesem kopfnahen und "stabil" eingestauchten Schenkelhalsbruch kann eine konservative Behandlung versucht werden.

Sollte es unter Belastung zur Abkippung des Bruches oder im Verlauf zur Durchblutungs-störung des Hüftkopfes kommen, so würde eine Versorgung mit einer Hüftprothese notwendig werden.

Stabilisieren des kopfnahen und "stabil"eingestauchten 
Schenkelhalsbruches mit Schrauben.
Zustand nach Heilung und Schraubenentfernung
   

2. Laterale Schenkelhalsfraktur und pertrochantere Femurfraktur

Bruch durch den seitlichen Schenkelhals, respektive durch den Rollhügel des Oberschenkelknochens.
 Versorgung mit DHS (Dynamische Hüftschraube)  
   

 Versorgung mit Gamma-Nagel  
   

3. Mediale Schenkelhalsfraktur

Bruch durch den mittleren Bereich des Schenkelhalses.
Da es dabei zur Schädigung der Hüftkopfdurchblutung kommt und in der Folge zum Absterben des Hüftkopfes (Hüftkopfnekrose) kann dieser „klassische“ Schenkelhalsbruch nur mit einer Endoprothese behandelt werden.
     
   Endoprothese  Hüftkopfnekrose

4. Per-/ subtrochantere Femurfraktur

Komplexer Bruch durch den Rollhügel bis in den Oberschenkelschaft
   
   Versorgung mit Gabelplatte

Prävention
  • Vermeiden von Stürzen (rutschsicheres Schuhwerk, Gehhilfen, zB auf der Skipiste Geschwindigkeit den eigenen Fähigkeiten anpassen, vernünftige Vorbereitung (Kondition, Kraft, Aufwärmen, Dehnen) für sportliche Aktivitäten)
  • Schutzbekleidung (Helm, Handgelenks.- Wirbelsäulen- Hüftprotektoren, etc.), korrekte Wartung der Sportgeräte (zB Einstellen der Skibindung durch den Fachmann)
  • Gute Knochenqualität durch ausgewogene Ernährung (Milchprodukte), Bewegung, eventuell medikamentöse Behandlung einer Osteoporose („Knochenschwund“)

Beitrag von Dr. Rolf Risch