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Trotz guter Testresultate wird Medi24 nicht umgesetzt

Schaan, 28. Januar 2008. Das Pilotprojekt Medi24 wird trotz guten Testresultaten nicht realisiert. Die ambulante Notfallversorgung - welche seit Oktober über Nacht und am Wochenende zu einem medizinischen Call Center umgeleitet wurde - wird wieder direkt an den diensthabenden Notfallarzt umgeleitet.

Ergebnis nach 4-monatiger Testphase
Im Oktober 2007 startete das Pilotprojekt „ambulante Notfallversorgung“ in Liechtenstein. Die Notfallnummer 230 30 30 wurde in den vergangenen vier Monaten in der Nacht und am Wochenende auf Medi24 umgeleitet. Medi24, ein medizinisches Call Center mit Sitz in Bern, hat mit ihrem professionell geschulten Fachpersonal die Anrufe entgegengenommen und triagiert. Sie haben sehr gute Arbeit geleistet angesichts der Tatsache, dass die Liechtensteinische Bevölkerung diese Veränderung nur bedingt positiv aufgenommen hat – oft wurde das Gespräch durch die Patienten vorzeitig abgeblockt und nach den Notfallärzten direkt verlangt. Auf Druck der Bevölkerung hat die Regierung, der Liechtensteinischen Krankenkassenverband und die Ärztekammer gemeinsam beschlossen, das Projekt nicht weiterzuführen.

Die Liechtensteiner greifen schneller zum Hörer
„Die professionelle Beratung durch eine ausgebildete Fachperson von Medi24 fand bei der liechtensteinischen Bevölkerung nicht den erhofften Anklang“, bedauert Dr. med. Andreas Meer von Medi24. Das Pilotprojekt zeigte, dass die Liechtensteinischen Anrufer überdurchschnittlich oft nach dem Notfallarzt verlangten. Dass sich die Bedürfnisse der liechtensteinischen Bevölkerung nicht mit denjenigen der Schweizer decken, zeigt auch die Anzahl der Telefonate: In Liechtenstein werden sowohl tagsüber als auch nachts bis zu 4-mal mehr Notrufe getätigt, als in der Vergleichsregion rund um Frauenfeld. Zudem haben die Auswertungen von Medi24 gezeigt, dass zwischen 33 und 48% aller getätigten Anrufe keine akuten Notfälle waren.

Hoher Standard - Eine Frage der Kosten
„Die Tatsache, dass wir einen sehr hohen Standard bieten, welchen unsere Patienten aber auch fordern bestätigt das Pilotprojekt. Die Durchführung war sehr wichtig für uns, um solche Fakten auf den Tisch legen zu können, “ so Alexandra Marxer, Projektverantwortliche seitens der Ärztekammer. Die Ärzte waren gewillt, weniger Umsatz zu machen und Einkommenseinbussen zu haben, um ein neues Projekt zu testen, leider will die Bevölkerung keinerlei Einschränkungen akzeptieren und hat ein höheres Anspruchsdenken als unsere Schweizer Nachbarn. Da man mit einer Weiterführung des Projektes Kosten eingespart hätte, wird die Idee auch weitergeführt und die gewonnenen Erfahrungen verwertet.

Zukunftsaussichten der liechtensteinischen Notfallversorgung
Dass Liechtenstein ein neues Notfallkonzept braucht, zeigen die immer anstrengenderen Notfalldienste. „Besonders belastend sind die Anrufe in der Nacht wegen Bagatellen. An Wochenendtagen müssen meist zwischen 35 und 60 Patienten „bewältigt“ werden. Bei lebensbedrohlichen Notfällen hingegen werden wir immer wieder bei der Arbeit durch unnötige Anrufe gestört.“ so Dr. Wolfram Müssner, Notfallarzt und Präsident der Ärztekammer.
Eine Liechtensteinspezifische Lösung mit eigenem Call Center und gut ausgebildetem Fachpersonal ist lediglich eines von vielen Zukunftsszenarios. Die liechtensteinische Ärztekammer wird nun gemeinsam mit der Regierung, dem Liechtensteinischen Krankenkassenverband, der Liechtensteinischen Patientenorganisation und dem Spital Vaduz nach einer für Liechtenstein optimalen und individuellen Lösung suchen. Die Arbeitsgruppe möchte noch in diesem Jahr die Überarbeitung des Notfallkonzeptes präsentieren.

Genaue Zahlen folgen
Bis zum 31. Januar läuft das Pilotprojekt noch. In den nächsten Wochen wird die liechtensteinische Ärztekammer eine detaillierte Auswertung über das 4-monatige Projekt erhalten, deren Informationen in weitere Entwicklungen einfliessen werden.


Rückfragehinweise für die Presse:
Dr. Ruth Kranz-Candrian
Liechtensteinische Ärztekammer
Telefon: +423 392 13 13