Wussten Sie, dass Statistiken zufolge in Mitteleuropa pro Person jährlich ca. 80 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden?
Stellen Sie sich diesen Berg an Nahrung vor: 160 Brotlaibe oder 600 Äpfel oder 440 Fruchtjogurt. Ganz zu schweigen von all dem Geld, das da im Müll landet: ca. CHF 1250.- bei einer vierköpfigen Familie! Und welche Verschwendung an wertvollen Resourcen…

Aber Vorsicht: Nicht alles, was abgelaufen ist, ist auch tatsächlich „schlecht“! Lebensmittelrechtlich gibt es ein sogenanntes Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis…“), das bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie z.B. Hackfleisch zur Anwendung kommt. Ist dieses Verbrauchsdatum überschritten, dürfen die Lebensmittel nicht mehr im Handel verkauft werden, da sie eine ernsthafte Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen können.
Als Unterschied dazu stellt das Mindesthaltbarkeitsdatum („mindestens haltbar bis…“) lediglich eine Gütegarantie des Herstellers dar. Viele Lebensmittel sind jedoch bei fachgerechter Lagerung auch über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hinaus noch in so gutem Zustand, dass sie ohne Bedenken gegessen werden können. Nudeln, Reis und Mehl zum Beispiel sind Monate nach Ablauf des MHD (sofern sie trocken und vor Schädlingsbefall geschützt gelagert werden) optisch und geschmacklich in Ordnung.
Was tun, wenn ein Lebensmittel abgelaufen ist?
- Lagerung: Überlegen Sie zuerst, ob das Lebensmittel fachgerecht gelagert wurde. Stand zum Beispiel das Fruchtjogurt seit seinem Einkauf im Kühlschrank?
- Sehtest: Sehen Sie sich das Lebensmittel genau an - sieht es so aus, wie es aussehen sollte? Hier gilt: Bei Schimmelbefall das Lebensmittel wegwerfen, bei Fäulnis die angefaulte Stelle grosszügig wegschneiden.
- Geruchstest: Riecht das Lebensmittel so, wie es normalerweise riecht?
- Wenn die ersten drei Tests positiv ausfallen, können Sie den Geschmackstest machen: Wenn das Lebensmittel auch noch so schmeckt, wie es üblicherweise schmeckt, dann besteht kein Grund es weg zu werfen (auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten sein sollte)!
Tipps, damit Ihre Lebensmittel gar nicht erst ablaufen…
Durch ein klein wenig Organisation sparen Sie sich jedoch sämtliche oben angeführten Tests, da Sie vermeiden, dass Lebensmittel in Ihrem Haushalt ablaufen. (Und ganz nebenbei sparen Sie sich das Wegwerfen und jede Menge Geld…).
- Vor dem Einkauf:
- Durchstöbern Sie Ihren Kühlschrank und Ihre Lebensmittelschränke: Was läuft demnächst ab? Was kann ich daraus kochen? Muss ich überhaupt schon einkaufen gehen?
- Überlegen Sie: Was möchte ich in den nächsten Tagen kochen / essen? Erstellen Sie evtl. einen Speiseplan und erstellen Sie sich Ihre
- Einkaufsliste. Vermerken Sie darauf auch die benötigten Mengen, damit Sie der Versuchung widerstehen, zu viel einzukaufen.
- Beim Einkaufen:
- Essen Sie sich vorher satt und gehen Sie niemals hungrig einkaufen!
- Halten Sie sich an Ihre Einkaufsliste.
- Überlegen Sie bei verlockenden (Sonder-)Angeboten, ob Sie diese auch gebrauchen bzw. verbrauchen können.
- Kaufen Sie leicht verderbliche Lebensmittel wie zum Beispiel Wurst, Fleisch, Jogurt, Milch,… nur in kleinen Mengen ein. Meist führen unsere täglichen Wege an Lebensmittelgeschäften vorbei, sodass Sie schnell „Nachschub“ besorgen können, wenn etwas ausgehen sollte.
- Nach dem Einkauf:
- Geben Sie gekühlte bzw. tiefgekühlte Lebensmittel sofort in den Kühlschrank / Tiefkühler.
- Stellen Sie Lebensmittel, die früher ablaufen, in Ihren Schränken und im Kühlschrank nach vorne, damit Sie diese zuerst verbrauchen.
- Frieren Sie Lebensmittel gegebenenfalls ein, um deren Verderben zu verhindern (z. B. Fleisch, das Sie erst in einigen Tagen benötigen, oder Brot, wenn Ihnen die Menge zu gross erscheint).

Ich hoffe, Ihnen hiermit einige praktische Tipps zum verantwortungsbewussten Umgang mit allem Essbaren gegeben zu haben, und wünsche Ihnen alles Gute für das Jahr 2012!
Sonja Holzknecht
Diätologin